75 Jahre Bundesverfassungsgericht – unsere Literaturempfehlungen
Seit 75 Jahren prägt das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die deutsche Verfassungsordnung. Seit seiner Gründung 1951 hat es mit wegweisenden Entscheidungen die Grundrechte gestärkt, das Verhältnis von Staat und Bürgern geprägt und die demokratische Entwicklung der Bundesrepublik maßgeblich begleitet.
Zum 75. Geburtstag lohnt sich deshalb nicht nur ein Blick auf die wichtigsten Entscheidungen des Gerichts, sondern auch auf seine eigene Geschichte, seine Rolle in der Demokratie und aktuelle verfassungsrechtliche Debatten.
Entdecken Sie wichtige Stationen und Entscheidungen des BVerfG sowie ausgewählte Fachliteratur zum Jubiläum.
Das Bundesverfassungsgericht wurde 1951 in Karlsruhe gegründet. Am 7. September 1951 nahm es seine Arbeit auf, die feierliche Eröffnung folgte am 28. September 1951. Seitdem ist das Gericht eine zentrale Institution des deutschen Verfassungsstaates. Es wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes, schützt die Grundrechte und entscheidet über zentrale verfassungsrechtliche Fragen. Eine besondere Bedeutung hat dabei die Verfassungsbeschwerde: Sie ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern, sich gegen die Verletzung ihrer Grundrechte durch die öffentliche Gewalt zu wenden.
1951 – Gründung des BVerfG
Karlsruhe – Sitz des Gerichts
2 Senate – jeweils mit 8 Richterinnen und Richtern
Verfassungsbeschwerde – zentraler Weg zum Grundrechtsschutz
2026 – 75 Jahre Bundesverfassungsgericht
Was ist die Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts?
Das Bundesverfassungsgericht wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes und schützt die darin garantierten Grundrechte. Es entscheidet unter anderem über Verfassungsbeschwerden, prüft die Vereinbarkeit von Gesetzen mit dem Grundgesetz und klärt Streitigkeiten zwischen Verfassungsorganen. Damit nimmt das BVerfG eine besondere Stellung im deutschen Verfassungsstaat ein: Seine Entscheidungen betreffen nicht nur staatliche Institutionen, sondern können unmittelbar die Rechte und Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger prägen.
Das Bürgergericht: Die Verfassungsbeschwerde macht das Bundesverfassungsgericht für Bürgerinnen und Bürger unmittelbar zugänglich, weshalb es auch als Bürgergericht bezeichnet wird.
Wichtige Stationen und Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts
Seit seiner Gründung im Jahr 1951 hat das Bundesverfassungsgericht die deutsche Verfassungsordnung entscheidend geprägt. Zahlreiche wegweisende Entscheidungen haben das Verständnis von Grundrechten, Freiheit und staatlicher Gewalt konkretisiert und auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert. Ein Blick auf wichtige Stationen und prägende Urteile zeigt, wie sich das Gericht und seine Rechtsprechung über sieben Jahrzehnte entwickelt haben.
1951 – Das Bundesverfassungsgericht nimmt seine Arbeit auf
Start der Arbeit in Karlsruhe und Aufbau einer neuen Institution der Bundesrepublik.
1956 – KPD-Verbot
Eine der frühen grundlegenden Entscheidungen zur wehrhaften Demokratie.
1958 – Lüth-Urteil
Ein Meilenstein für die Bedeutung und Wirkung der Grundrechte.
1983 – Volkszählungsurteil
Das Gericht entwickelt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
2009 – Lissabon-Urteil
Eine wichtige Entscheidung zum Verhältnis von Grundgesetz und europäischer Integration.
2021 – Klimaschutz-Beschluss
Das BVerfG stärkt die intertemporale Freiheitssicherung und macht deutlich, dass heutige Klimaschutzentscheidungen auch die Freiheitsrechte künftiger Generationen betreffen.
2026 – 75 Jahre BVerfG
Das Jubiläum bietet Anlass, Geschichte, Rechtsprechung und Rolle des Gerichts neu zu betrachten.
"Verwandlung durch Recht": Wie das BVerfG mit seiner Vergangenheit umgeht
Zum 75. Geburtstag blickt das Bundesverfassungsgericht nicht nur auf seine Rechtsprechung, sondern auch auf seine eigene Geschichte zurück. Dafür gab das Gericht beim Institut für Zeitgeschichte eine historische Studie in Auftrag: "Verwandlung durch Recht – Das Bundesverfassungsgericht und die Vergangenheit" von Eva Balz und Frieder Günther. Die Untersuchung beschäftigt sich mit den frühen Jahren des Gerichts und der Frage, wie seine Richterinnen und Richter mit den Erfahrungen und personellen Kontinuitäten der Zeit des Nationalsozialismus umgingen.
Das ist besonders aufschlussreich, weil das 1951 gegründete Bundesverfassungsgericht lange als Institution ohne unmittelbaren Vorgänger und damit als vergleichsweise unbelasteter Neubeginn betrachtet wurde. Die Studie zeigt ein differenzierteres Bild: Auch das junge Bundesverfassungsgericht war personell und rechtlich stärker von den Erfahrungen und Kontinuitäten der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägt, als lange angenommen wurde. Gleichzeitig wird nachvollziehbar, wie sich das Bundesverfassungsgericht in den ersten Jahrzehnten zu einer prägenden Institution der Bundesrepublik entwickelte.
Balz / Günther
Das Bundesverfassungsgericht und die Vergangenheit
Das Bundesverfassungsgericht im Wandel
Das Bundesverfassungsgericht steht seit seiner Gründung im Spannungsfeld von Recht, Politik und gesellschaftlichem Wandel. Seine Bedeutung für den Schutz von Grundrechten und die Stabilität der Verfassungsordnung ist unbestritten – zugleich wird immer wieder über seine Rolle, seine Grenzen und seine institutionelle Ausgestaltung diskutiert. Fragen nach der Unabhängigkeit des Gerichts, der Wahl der Verfassungsrichterinnen und Verfassungsrichter, dem Verhältnis von Verfassungsgericht und Politik sowie möglichen Reformen sind deshalb auch 75 Jahre nach seiner Gründung aktuell.
Stand: September 2026
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