Erbstreit, Machtkampf, Millionenvermögen: Was Familienunternehmen von spektakulären Erbfällen lernen können
Was haben Aldi, Oetker, Tengelmann und die Fugger gemeinsam? Hinter großen Familienunternehmen stehen nicht nur beeindruckende Erfolgsgeschichten, sondern manchmal auch erbitterte Erbstreitigkeiten, Machtkämpfe und folgenschwere Fehler bei der Unternehmensnachfolge.
Das Buch „Aus bester Familie“ von Christoph Mehringer und Sebastian von Thunen nimmt 14 spektakuläre Fälle aus deutschen und internationalen Wirtschaftsdynastien unter die Lupe. Die Geschichten lesen sich wie True Business Crime: Geschwister geraten aneinander, Testamente sorgen für Streit, Vermögen droht auseinanderzufallen und ungeklärte Nachfolge bringt ganze Unternehmen ins Wanken.
Doch die Fälle sind mehr als spannende Wirtschaftsgeschichten. Aus jedem Konflikt lassen sich konkrete Lehren für die eigene Vermögens- und Unternehmensnachfolge ziehen. Die Autoren zeigen, welche rechtlichen und organisatorischen Vorkehrungen helfen können – von Gesellschaftsverträgen und Eheverträgen über Familienstiftungen bis hin zu Testamenten und Notfallvorsorge.
Auf dieser Seite erfahren Sie, welche sieben Lehren sich aus den spektakulären Erbfällen ziehen lassen und welche Fachliteratur Sie bei der rechtssicheren Gestaltung der Vermögens- und Unternehmensnachfolge unterstützt.
Aus Erbstreitigkeiten lernen: 7 Tipps für Unternehmerfamilien
- Sprechen Sie frühzeitig und offen über die Nachfolge
Viele Erbstreitigkeiten entstehen nicht erst mit dem Erbfall, sondern Jahre zuvor – weil wichtige Fragen nie offen angesprochen wurden. Besprechen Sie deshalb frühzeitig, wer welche Rolle übernehmen soll, wie das Vermögen verteilt wird und welche Regelungen für den Erbfall gelten. Auch eine geplante Testamentsvollstreckung sollte kein Familiengeheimnis sein. Transparenz schafft Verständnis und kann verhindern, dass sich einzelne Familienmitglieder übergangen fühlen oder später gegen letztwillige Verfügungen vorgehen. - Entwickeln Sie gemeinsam eine Familienverfassung
Eine Familienverfassung kann dabei helfen, gemeinsame Werte, Ziele und Verantwortlichkeiten festzuhalten, bevor konkrete Konflikte entstehen. Setzen Sie sich als Unternehmerfamilie frühzeitig zusammen und klären Sie Fragen wie: Was soll das Unternehmen langfristig erreichen? Wer soll welche Verantwortung übernehmen? Welche Regeln gelten für Familienmitglieder, die in das Unternehmen eintreten?
Die Familienverfassung bildet dabei einen strategischen und verbindenden Rahmen. Rechtlich verbindliche Regelungen können anschließend beispielsweise im Gesellschaftsvertrag umgesetzt werden. - Verteilen Sie nicht automatisch alles zu gleichen Teilen
Gleichbehandlung und Gleichverteilung sind nicht immer dasselbe. Wenn mehrere Kinder Unternehmensanteile zu gleichen Teilen erhalten, obwohl ihre Interessen, Fähigkeiten oder Lebenspläne sehr unterschiedlich sind, kann das zu Zersplitterung, Blockaden und Konflikten im Gesellschafterkreis führen.
Überlegen Sie deshalb genau, welche Nachfolgelösung zum Unternehmen und zur Familie passt. Wer das Unternehmen weiterführen soll, sollte dafür auch geeignet und bereit sein. Andere Erben können gegebenenfalls auf anderem Weg am Vermögen beteiligt werden – etwa durch die Übertragung von Privatvermögen oder entsprechende Abfindungsregelungen. - Schützen Sie das Unternehmen mit klaren Regelungen im Gesellschaftsvertrag
Bei der Unternehmensnachfolge reicht ein gut formuliertes Testament allein nicht aus. Der Gesellschaftsvertrag muss mitgedacht werden. Legen Sie dort frühzeitig fest, was im Erbfall oder beim Ausscheiden eines Gesellschafters passiert.
Besonders wichtig sind dabei klare Regelungen zu:
– Abfindungen: Wie hoch sind Abfindungsansprüche und wie werden sie begrenzt, damit das Unternehmen nicht durch hohe Auszahlungen in finanzielle Schwierigkeiten gerät?
– Ausschüttungen: Wie lassen sich die Interessen der Gesellschafter mit dem Ziel vereinbaren, ausreichend Kapital im Unternehmen zu halten?
– Nachfolge: Wer kann Gesellschaftsanteile übernehmen und unter welchen Voraussetzungen? - Sichern Sie das Familienunternehmen auch mit einem Ehevertrag ab
Ein Ehevertrag ist nicht zwangsläufig ein Zeichen von Misstrauen. Bei größeren Unternehmens- und Privatvermögen kann er vielmehr ein wichtiger Baustein der Nachfolgeplanung sein.
Prüfen Sie insbesondere, wie das Betriebsvermögen im Güterstand berücksichtigt werden soll. Durch eine entsprechende Gestaltung der Zugewinngemeinschaft kann beispielsweise verhindert werden, dass Unternehmensanteile im Zuge eines Zugewinnausgleichs wirtschaftlich unter Druck geraten oder veräußert werden müssen. - Verschaffen Sie sich einen vollständigen Überblick über Ihr Vermögen
Eine erfolgreiche Nachfolge setzt voraus, dass Sie wissen, was überhaupt übertragen werden soll. Erstellen Sie deshalb eine aktuelle Übersicht über Ihre betrieblichen und privaten Vermögenswerte – etwa Gesellschaftsanteile, Immobilien, Bankkonten, Wertpapiere oder wertvolle Gegenstände.
Halten Sie diese Übersicht regelmäßig aktuell und sorgen Sie dafür, dass die relevanten Unterlagen im Ernstfall auffindbar sind. So vermeiden Sie, dass Vermögenswerte nach dem Erbfall übersehen werden oder wichtige Informationen nur einer einzelnen Person bekannt sind. - Gestalten Sie Ihr Testament vorausschauend
Ein Testament sollte nicht nur festlegen, wer erbt, sondern auch mögliche Entwicklungen nach dem Erbfall berücksichtigen. Prüfen Sie daher insbesondere, ob Sie Ersatzerben benennen müssen und ob eine Testamentsvollstreckung sinnvoll ist.
Gerade bei minderjährigen oder noch jungen Erben kann eine Testamentsvollstreckung sinnvoll sein. Sie sollte jedoch nicht weiter reichen als nötig. Eine zeitliche Begrenzung kann dazu beitragen, dass die Erben schrittweise Verantwortung übernehmen.
Bewahren Sie Ihr Testament zudem so auf, dass es im Erbfall sicher aufgefunden wird. Die amtliche Verwahrung kann verhindern, dass eine letztwillige Verfügung verloren geht oder bewusst zurückgehalten wird.
Weitere Literaturempfehlungen
Die spektakulären Fälle zeigen, was bei der Vermögens- und Unternehmensnachfolge schiefgehen kann. Wer die eigene Nachfolge rechtzeitig und rechtssicher gestalten möchte, findet in diesen Fachbüchern fundierte Unterstützung – von der Gestaltung von Testamenten und Gesellschaftsverträgen bis zur langfristigen Übertragung von Unternehmens- und Privatvermögen.
Stand: August 2026
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